Montag 27. März 2017

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WiG - Gemeinsam unterwegs

unknownGemeinsam unternehmerisch

„Lebe deine Fragen und wachse in die Antworten hinein“ - ein treffendes Rilkezitat eröffnete die dritte Nordeuropa-Schulung der Wirtschaft in Gemeinschaft (WiG) im Wiener Mariapolizentrum Am Spiegeln.

Neben Belgien, Frankeich und den D-A-CH-Staaten, sind auch mehrere osteuropäische Länder vertreten (SLO, SRB, H, CZ, SK).

Im WiG- Jahresrückblick kam folglich eine breite Palette an Initiativen zur Sprache, mit denen die Unternehmer und Akteure dieser Wirtschaftsinitiative der Fokolar-Bewegung ihre Ziele verfolgen. Insbesondere beschäftigten sich die 110 Teilnehmer mit der wachsenden Präsenz des WiG-Ansatzes in der Öffentlichkeit. In Zeiten der globalen Wirtschaftskrise ist der Schulterschluss, die Zusammenarbeit und der Erfahrungsaustausch der Unternehmer als Träger der Wirtschaft eine wichtige Stütze.

„Gemeinsam als Unternehmer statt gemein sein“, so kennzeichnete ein teilnehmender Wirtschaftswissenschaftler seinen Eindruck von der Arbeit der WiG-Gruppen weltweit, wie sie auch beim 20. Jahresjubiläum im Mai 2011 in Sao Paolo deutlich wurde.

Die Teilnehmer trugen in Workshops ihre Vorschläge aus eigener Unternehmenspraxis zusammen und präzisierten dabei ihre Definition von Erfolg: wie führe ich ein gemeinwohlorientiertes Unternehmen, wie begegne ich der zunehmenden Armut – auf globaler wie auf lokaler Ebene, wie kann aus meinem WiG-zugehörigen Betrieb eine "Kultur des Gebens" gegen eine Mentalität des Raubbaus nach aussen wirken.

Der zweite Schulungstag stand im Zeichen der Begegnung von Unternehmern und ambitionierten jungen Akteuren der WiG. „Ohne Jugend keine WiG“, so bezeichnete Prof. Dr. Luigino Bruni (internat. Kommission) den inklusiven Ansatz der WiG: „Beide verbindet Unzufriedenheit mit dem Bestehenden, Großzügigkeit und eine Vision.“ Dabei sieht Bruni Jugend weniger als „die Zukunft“, sondern als „eine andere Art, die Gegenwart zu leben.“ Steve Jobs, Gandhi, Franz von Assisi oder Jesus Christus hätten ihre revolutionären Ideen schließlich im Alter von 30 Jahren lanciert. Wer eine gerechte Welt wolle, komme heute an der Wirtschaft nicht vorbei, und wer als junger Mensch seinen persönlichen ‚Daimon’ in der Wirtschaft entdeckt habe, eine Lebensaufgabe, die einen nicht mehr loslasse, müsse sie mit viel Energie, Kreativität und Enthusiasmus verfolgen. Doch statt nach der Ausbildung für Multinationale zu arbeiten, könne man sich ebenso in der WiG engagieren. In Gemeinschaft mit reiferen WiG-Unternehmern, in Räumen des Wohlwollens und der Uneigennützigkeit sei der Daimon als persönlicher „Exzellenz-Weg“ besser zu finden.

 

Berichte insbesondere junger Unternehmer-Initiativen ergänzten diese Vision: So behaupten sich derzeit 38 klein-und mittelständische WiG-Unternehmen in den südosteuropäischen Ländern im zunehmend schwierigen makroökonomischen Umfeld, das von Arbeitslosigkeit und Armut geprägt ist, durch Einfallsreichtum, vernünftiges Mittel- und Ressourcenmanagement und professionelle Unterstützung der WiG Westeuropas auf den dortigen Märkten. Neue Arbeitsplätze werden geschaffen und zahlreiche Sozialinitiativen im betrieblichen Umfeld gestartet. Unter anderem erhalten dort rd. 200 Familien eine feste monatliche Unterstützung. Professionalität und Nachhaltigkeit der WiG-Hilfsprojekte garantiert dabei die AMU (anerkannte NGO-Hilfsorganisation), wie Francesco Tortorella von der internationalen AMU-Zentrale in Rom berichtete. Dabei gehe es nicht um konventionelle Hilfe „für“ sondern um Zusammenarbeit „mit“ den Bedürftigen, um eine Partnerschaft gegenseitigen Gebens, wo Finanzmittel auf der einen Seite wie Talente auf der anderen Seite neue, kreative Lösungen ermöglichen.

 

Einen wichtigen Teil der Unternehmerschulung bildete die Fortentwicklung der WiG als alternative Wirtschaftsform. In Foren und Workshops zur Wirtschafts- und Unternehmensstruktur kam man der Ausgangsidee von Chiara Lubich von 1991 ein Stück näher, nämlich zwischen einseitig gewinnorientiertem Raubkapitalismus und menschenverachtendem Kommunismus einen dritten Wirtschaftsweg zu entwickeln, rund um die zentralen Werte von „Uneigennützigkeit (gratuity)“, „Gemeinsinn (communion)“, gegenseitiger „Geschwisterlichkeit“. Auch Franz von Assisi habe sich, der inneren Stimme folgend, zunächst der Restauration der Kirche St. Damian gewidmet, bis er verstand: es um die Wiederherstellung der Kirche als Ganzes. Dass es in der WiG nach 20 Jahren des Teilens mit den Bedürftigen durch „Tortenstücke aus Unternehmergewinn“ nun weltweit um das „Backen neuer Torten“ gehe, wie Bruni in einem Bild erläuterte, nahmen zumal die jungen Teilnehmer in ihrer Abschlusserklärung feierlich auf: „Wir fordern alle Weltbürger auf, bei ihren Konsum- und Sparentscheidungen diejenigen Betriebe zu bevorzugen, die sich ethisch orientieren und einen bedeutenden Teil ihres Gewinnes dem Gemeinwohl zugutekommen lassen. Denn die ‚Wirtschaft in Gemeinschaft’ lehrt uns, dass der Unternehmensgewinn eine soziale Dimension hat.“

 

Einige Echos:

„Wir jungen Leute aus Ungarn sind hoch motiviert mit vielen konkreten Projekten gekommen und gehen noch motivierter zurück. Das Schönste waren die vielen persönlichen Gespräche“ (Máté Rangics, IT-Günder, Ungarn)

„Ich habe mich gefragt, wie ich quasi ohne eigenes ‚Werkzeug‘ bzw. eigene Firma schon mitmachen kann; dann kam mir die Idee: Das Werkzeug Geschwisterlichkeit kann ich ja immer und überall anwenden.“ (Jacub Jurásek, Wirtschaftsstudent, Tschechien)

„Als ältester Jungunternehmer ist mir klar geworden: Menschsein entfaltet sich nicht durch Wohlstand und Hightechgeräte, sondern durch das unbedingte Überschreiten der Nahtstellen zwischen uns: zwischen Mann und Frau, jung und alt, Arbeitgeber und –nehmer, Planung und Durchführung, indem wir lernen, in die Haut des anderen zu schlüpfen.“ (Waldemar Silfest, 86, Ex-Bankier und Unternehmensberater des Schweizer Bürostuhlherstellers Tergon AG)

„Ich bin zum ersten Mal auf einer derartigen Tagung. Bei den vielen hier anwesenden Sprachen wurde mir klar: Wie bei den Jüngern an Pfingsten kann die Sprache der WiG heute von allen Menschen verstanden werden.“ (Vainny Bernard, Unternehmer, Frankreich)

„Ich habe hier beschlossen, ein vollwertiger WiG-Unternehmer zu werden.“ (Andras Prokopp, Konferenztechnik-Unternehmer, Ungarn)

„Ich übernehme gerade den WiG-Betrieb meiner Eltern und verstehe jetzt das es eine größere Aufgabe ist als normal: Es reicht nicht, Gewinn zu machen und eine ausgeglichene Bilanz, sondern WiG heißt auch Sozialgewinne zu erwirtschaften, denn wir haben ein großes Ziel: Gemeinschaft unter allen!“ (Etienne Besson, Schweiz)

 

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