Sonntag 26. März 2017

Inhalt:

Neuer ökumenischer Einsatz der Fokolar-Bewegung

unknownVom Ökumenischen Lebenszentrum in Ottmaring, wo sich derzeit der Generalrat der Fokolar-Bewegung zu seiner jährlichen Klausurtagung aufhält, ein Interview mit der Präsidentin Maria Voce über die „Ottmaringer Erklärung” vom 21. Februar 2017.

 

Im Bild: Maria Voce mit Vizebürgermeister Dr. Stefan Kiefer. (c)Maria Kny CSC-Audiovisivi

 

 

Wozu diese Erklärung?

 

Maria Voce: Das kam von innen. Wir sind hier in Ottmaring, das gekennzeichnet ist von einem offenkundigen ökumenischen Zeugnis: zwei Gemeinschaften leben hier miteinander, eine ist in der katholischen Kirche entstanden, die andere in der evangelischen Kirche, beide haben Angehörige aus verschiedenen Kirchen. Das veranlasst uns zu einem verstärkten Engagement, das die ganze Bewegung betrifft, in die Welt hinaus geht und nicht hier stehen bleibt. Diese Erklärung ist ein Weckruf an alle Angehörigen der Fokolar-Bewegung: die Ökumene betrifft uns alle, sie ist eines unserer Ziele, an dem wir alle arbeiten müssen.

An wen wendet sich die Erklärung?

Wir haben dieses Engagement im Namen der ganzen Bewegung übernommen. Sie ist also in erster Linie an die Angehörigen der Bewegung gerichtet, um ihnen den Wert der Ökumene ins unknownBewusstsein zu rufen, d.h. den Wert des gemeinsamen Zeugnisses von dem, was uns bereits verbindet, um den Weg zu beschleunigen zur Überwindung der noch bestehenden Hindernisse. Wir sind alle dazu berufen und übernehmen jetzt noch bewusster dafür die Verantwortung. Es darf keine Person der Fokolar-Bewegung geben, die nach Kenntnis dieser Erklärung vor Gott meint, das ökumenische Engagement sei jenen Ländern vorbehalten, wo es Christen verschiedener Kirchen gibt. Ihr Land und sie selbst seien davon nicht betroffen, sie fühle sich wohl in der eigenen Kirche und sei an diesen Problemen nicht interessiert.

Was müsste sich also ändern in der Bewegung von jetzt an?

Ich glaube, dass es eine Bekehrung des Herzens braucht, wir müssen damit beginnen, ökumenisch zu denken. Sich darüber im Klaren sein, dass jeder Bruder, jede Schwester, egal, ob aus meiner Kirche oder einer anderen, zum Leib Christi gehören, zu jenem Leib, für den Christus das Leben gegeben hat. Er ist also mein Blutsbruder. Was ihn interessiert, interessiert mich, was ihn leiden lässt, lässt mich leiden. Beten allein genügt nicht. Man muss sich für alle christlichen Geschwister interessieren. Es gibt heute so viele technische Möglichkeiten, in Kontakt zu treten, es wird immer einfacher, miteinander zu sprechen, Menschen aus anderen Kirchen zu begegnen. Und wir müssen ihnen begegnen in dem Wissen, dass wir gemeinsam zum Leib Christi gehören. Nur dann werden wir auch die Menschen aufnehmen können, die nicht im engen Sinn zum Leib Christi gehören, weil sie nicht getauft sind.
Ein Engagement des Herzens, das öffentlich Zeugnis gibt?
Es ist unsinnig, sich heute als gespaltene Christenheit zu präsentieren. Der Einfluss der Christen ist gering, er wird noch geringer werden, wenn wir nicht gemeinsam das Evangelium bezeugen, das Neue Gebot der gegenseitigen Liebe. Wenn wir Christen dieses Zeugnis nicht geben können, wird die Welt Gott nicht begegnen, weil sie nicht jenem Jesus begegnen kann, der dort ist, wo Christen in der gegenseitigen Liebe vereint sind. Wenn sie Ihm begegnen, werden sie glauben können, sie werden ihr Verhalten ändern, die Suche nach Frieden und nach gerechten Lösungen, den Einsatz für die Solidarität unter den Völkern.

Die zentrale Aussage der Ottmaringer Erklärung?

Der Hinweis auf die Begegnung von Lund in Schweden am 31. Oktober des vergangenen Jahres. Es war ein außergewöhnliches Ereignis, das vielleicht nicht genügend Aufmerksamkeit bekommen hat. Wir wollen als Bewegung den Geist von Lund aufgreifen, der in der „Gemeinsamen Erklärung“ zum Ausdruck kommt, die dazu aufruft, im gegenseitigen Vertrauen zu wachsen und im gemeinsamen Zeugnis für die Botschaft des Evangeliums, um den Menschen die Liebe Gottes zu bezeugen. Dafür wollen wir uns hundertprozentig einsetzen. In Lund haben wir teilgenommen an einer großen und wichtigen Geste der höchsten Verantwortlichen der Katholischen Kirche und des Lutherischen Weltbundes. Wenn diese Geste jedoch von der höchsten Ebene nicht in den Alltag des Gemeindelebens hinabsteigt, dann bleibt sie eine schöne, geschichtliche Erinnerung ohne Wirkung auf die heutige Situation.

Die Bewegung will also das Erbe von Lund aufgreifen und den Geist verbreiten?

Ja. Wir möchten auch, dass die Ottmaringer Erklärung den Verantwortlichen der Kirchen überbracht wird, um ihnen weiter Hoffnung zu machen, dass es in der Welt Menschen gibt, die so leben wollen. Die Ökumene ist eine Notwendigkeit dieser Zeit. Man darf sich nicht damit abfinden, ob sie mehr oder weniger vorangeht, sie muss vorangehen. Die Menschen wollen es, sie wollen das, was Gott will, auch wenn sie es nicht wissen. Eine effiziente Antwort auf dieses Bedürfnis ist es, vereint zu sein, wenigstens unter Christen. Wenn nicht, wäre das eine schwere Unterlassungssünde.

Sie haben schon ernst damit gemacht und die Erklärung dem Bürgermeister von Augsburg und der evangelischen Stadtdekanin übergeben.

Wir haben auf lokaler Ebene angefangen. Lund war auf höchster Ebene. Wir können mit unserer Erklärung heute vor Ort beginnen, das geht sofort.

 

--->OTTMARINGER_ERKLÄRUNG im WORTLAUT

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Lasst euch mit Gott versöhnen.

(2 Kor 5,20)

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